Das Spiel
Freitag, 13.01.05
geträumt zwischen 22:05 und 2:20 Uhr gegen Ende der Zeitperiode
 

 Ich bin bei einer sehr wichtigen offiziellen Veranstaltung. Es ist eine Klassenarbeit in der Schule. Bei dieser Klassenarbeit wird benotet, wie gut man in einem Spiel abschneidet, das alle Teilnehmer zusammen spielen müssen. Am Ende der Klassenarbeit werden die Noten sofort in fein abgestufter Reihenfolge danach vergeben, welchen Platz man in dem Spiel belegt hat. D. h. wenn jemand eine gute Note bekommt, bekommt jemand anderer zwangsläufig eine  entsprechend schlechtere Note.

 Das Spiel ist ein abstraktes Strategiespiel. Es geht bei dem Spiel darum,  Wertungsplättchen auf Felder zu legen, so dass diese für einen selbst gewertet werden und Punkte bringen. Die Felder können immer nur entweder füreinen Teilnehmer oder für alle anderen Teilnehmer gewertet werden. D. h. wenn ein Teilnehmer Punkte bekommt,  bekommen alle anderen Teilnehmer entsprechend weniger Punkte. Das Spiel ist in eine Matrix aus 3 Zeilen und Spalten aufgeteilt. An den Schnittpunkten der Zeilen und Spalten liegen die runden Wertungsplättchen in der Farbe der jeweiligen  Teilnehmer, die die entsprechende Zeile und Spalte entweder für den Teilnehmer, oder für alle anderen Teilnehmer werten.  Zwischen den Schnittpunkten der Zeilen und Spalten befinden sich jeweils 2 Felder, auf denen zu Beginn des Spiels zufällig gezogene rechteckige Punkteplättchen liegen, die den Teilnehmern  die Punkte bringen. Jedes Punkteplättchen wird bei der Abrechnung für jeden Teilnehmer nur maximal einmal berechnet.  Somit hat jedes Punkteplättchen aus der Sicht eines Teilnehmers 3 mögliche Zustände: für oder gegen einen anderen Teilnehmer, für den Teilnehmer selbst und gegen den Teilnehmer. Das Spiel wird reihum gespielt. Wenn ein Teilnehmer an der Reihe ist, hat er entweder die Möglichkeit ein eigenes  Plättchen auf einen Schnittpunkt zu legen und ein eventuell dort bereits liegendes Plättchen aus dem Spiel zu nehmen,  oder ein bereits liegendes umzudrehen. Das Spiel ist beendet, wenn alle Teilnehmer ihre Wertungsplättchen aufgebraucht haben. Eine Zeile oder Spalte wird nur für oder gegen einen einzigen Teilnehmer gewertet, wenn er in dieser Zeile oder Spalte die meisten Wertungsplättchen hat. Die Abrechnungsregeln sind so gestaltet, dass es sich durchaus lohnt,  Wertungsplättchen eines Spielers umzudrehen. Es entsteht in dem Spiel ein extremer Konkurrenzkampf, der für den einzelnen  sehr ärgerliche Spielsituationen produzieren kann und das Spiel aber auch sehr spannend macht.

 Das Spiel wird von uns in Klassenstärke gespielt. Aber man muss trotzdem kaum warten und ist die ganze Zeit  über sehr angespannt.  Der Ablauf der Klassenarbeit wird von Lehrern überwacht. Das Ende des Spiels ist nahe. Es geht in der letzten Runde um die Wertung einer Zeile, die darüber entscheidet, ob ich das  ganze Spiel gewinne und somit bei dieser Klassenarbeit der Beste bin. Jemand dreht eines meiner Plättchen in dieser Zeile um, ohne dass ich noch etwas dagegen machen kann, weil das Spiel beendet ist, bevor ich wieder dran komme. Derjenige, der mein Wertungsplättchen umgedreht hat, sitzt in der Reihenfolge genau vor mir. Ich werde Klassenzweiter und bin sehr enttäuscht. Plötzlich tritt eine Sonderregel in Kraft, die es mir erlaubt, nach Ende des Spiels noch ein Plättchen umzudrehen, so dass die erwähnte Zeile doch wieder für mich gewertet wird und ich Klassenbester werde. Ich stehe auf einem Stuhl. Vor mir  liegt das Spielbrett mit den Punkte- und Wertungsplättchen so tief auf dem Fußboden oder einem sehr niedigen Tisch, dass ich Mühe haben werde das Wertungsplättchen zu erreichen, weil ich mich so tief bücken muss. Da es sich um eine Klassenarbeit handelt,  muss alles ganz offiziell und ganz genau abgewickelt werden. Ich muss warten, bevor ich das Plättchen umdrehen darf.  Die Anspannung steigt mit während der Wartezeit zunehmen stark an, weil ich das Plättchen noch umdrehen darf. Das stört mich aber nicht wirklich. Ich bin froh, dass ich das Wertungsplättchen umdrehen darf. Plötzlich kommt der Teilnehmer, der im Spiel als letzter dran war und das Plättchen für die entsprechende Zeile umgedreht hatte und stellt sich vor mich. Er sagt etwas zu mir. Er drückt seinen Ärger darüber aus, dass ich das Plättchen umdrehen darf. Mit einer unerwarteten Armbewegung wischt er alle Plättchen vom Spielbrett, so daß die Abrechnung des Spiels nicht mehr durchgeführt  werden kann. Es folgt namenlose entsetzte Stille. Es steht die Frage im Raum, was jetzt zu tun ist. Niemand kann die Frage beantworten. Die Frage schwebt im Raum und bleibt unbeantwortet. Ich erlebe diesen Zustand über lange Augenblicke hinweg. Dann wird mir allmählich klar, dass ich nur geträumt habe und längst aufgewacht bin.

 (Kommentar zum Traum: Ich finde es immer wieder faszinierend, wie in meinen Träumen eine ganze Menge Sachverhalte in einen kurzen Traumgedanken komprimiert werden. Ein besonders gutes Beispiel hierfür ist die Ausgestaltung des im Traum erwähnten Spiels.  Die Funktionsweise des Spiels war mir während des Traumes in jedem Augenblick völlig klar ohne darüber nachdenken zu müssen,  aber beim Schreiben dieses Protokolls musste ich einige Minuten darüber grübeln, wie das Spiel wohl ausgestaltet ist und mit Worten in einem längeren Text beschrieben werden kann. Mir fällt auch auf, wie stark die emotionelle Beteiligung in den Träumen ist. In diesem Traum wird eine emotionell stark  angespannte Situation beschrieben. Ich bin kein Traumexperte, aber vielleicht ist diese starke emotionelle Beteiligung nötig, um unbewußte Spannungen abzubauen, ohne deren Abbau man verrückt werden würde. Weiterhin fällt mir jetzt beim Schreiben dieses Protokolls auf, wie emotionelle Spannung in den Träumen durch feine Wiedersprüche ausgelöst wird. Wieso weiß ich z. B. so genau, dass ich Klassenbester oder Klassenzweiter werde, wenn am Ende des Traumes niemand mehr die Abrechung des Spiels  nachvollziehen kann? Die Antwort hierauf könnte sein, dass ich im Traum zwar für mich die Abrechnung genau kenne, sie aber nicht aus mir rauslassen und sagen kann, weil ich nur Teilnehmer bin und die ganze Sache ja so furchtbar offiziell und wichtig ist und ich daher mit der Abrechung rein gar nichts zu tun habe. Ich merke auf jeden Fall, dass es mir immer leichter fällt, mich an  die Träume zu erinnern und sie zu protokollieren.)



 


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On 13 Jan 2006, 04:26.